KBV Frisch weg Wiesedermeer


Boßeln -
Heimatsport mit großer Tradition

Die Wurzeln des Boßelns liegen wahrscheinlich im Kegeln. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Zielwerfen erweitert in Weitwerfen. Mangels befestigter Straßen verlegte man es auf Wege und Weiden. Geworfen wurde meist sonntags zur Kirchzeit, was oftmals zu Konflikten führte.
Das Interesse an dieser neuen Sportart wuchs, die Idee reifte, bis erstmals im ostfriesischen Raum "Frisch weg" Wiesedermeer gegründet wurde. Andere Vereine sollten dem Beispiel in den folgenden Jahren folgen. Erste freundschaftliche Wettkämpfe standen an, wobei die Geselligkeit im Vordergrund stand. Langsam verbanden sich die umliegenden Orte mit befestigten Straßen. Kurzerhand verlegte man die Aktivitäten von den Weiden und Wegen auf die Straßen. Diese boten dem Boßeisport hervorragende Möglichkeiten, den Friesensport zu hegen und pflegen.
Nach dem 2. Weltkrieg waren die Mitglieder gefordert, den Verein neu zu ordnen. Erst 1950 trat wieder Normalität ein und man besann sich auf den Heimatsport. Dorfgemeinschaftsabende und das Auswerfen der Vereinswanderurkunde waren angesagt und wurde zum erstenmal von Heinrich Habben errungen. Bald beteiligte man sich an Boßelfesten der anderen Vereine, so auch in Marcardsmoor und Reepsholt. Sogar ein Verbandsboßel-Wettkampf Kreis V gegen Kreis VII stand 1950 in Leerhafe auf dem Programm. Mit befreundeten Vereinen besann man sich wieder auf ein Kräftemessen in Form von Boßeisport. Neue Holz-und Gummikugeln wurden angeschafft und als Boßelstrecke entschied man sich für die Straße von Kleihauer nach Gastwirt Tjarks in Rispelerhelmt.
Neue Vorschläge entstanden, um den Heimatsport aktiver zu gestalten. Vereinsintern einigte man sich auf ein Kräftemessen "Nord gegen Süd", darauffolgend "Ost gegen West" und "Ledige gegen Verheiratete". Preis-boßeln machte die Runde und auch das Teilnehmen abgeordneter Gruppen an den Sommerfesten anderer Vereine.  
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Die Generalversammlungen hatten es in sich. Standen Wahlen auf der Tagesordnung, dann war ein Führungswechsel innerhalb des Vorstandes nicht selten. So auch 1958, als Wilhelm Tholen nicht wieder als i. Vorsitzender kandidierte. Aber woher nehmen und nicht stehlen! Da auch der gemütliche Teil nicht zu kurz kam, wurden die Diskussionen immer lebhafter, bis endlich kurz vor 23.00 Uhr ein Nachfolger gefunden wurde.
Nur für ein Jahr wollte Fritz Decker jun. die Amtsgeschäfte übernehmen. Diese Funktion als i. Vorsitzender muß ihm so viel Freude bereitethaben, es wurden 20 Jahre daraus. 1959 beschloß man einheitliche Trikots anzuschaffen. Wettkämpfe gegen Vereine wie Akelsbarg und Spekendorf wurden durchgeführt und andere Veranstaltungen wurden besucht. Preise und Pokale waren Lohn für diese Bemühungen. Das vereinsinterne Sommerfest wuchs zu einer Größe heran, welches mit einem Festball als krönender Abschluß endete. Für die Sommerfeste weihte man eine neue Kegelbahn als Attraktion ein, zusätzlich wurde ein Dirk-Decker-Gedächtnispokal in Form eines Wanderpokales ausgeworfen.
Totoboßeln wurde aus der Taufe gehoben und die ersten Punktkämpfe standen an. Jetzt wurde es ernst, aus war es mit der Gemütlichkeit, kämpfen um jeden Meter war angesagt. 1973 meldete man die Gruppen A, B und C. Der Erfolg ließ etwas auf sich warten, bis 1978 die D-Staffel die erste Meisterschaft erreichen konnte. Im Jahr 1982 wurden 40 aktive Werfer gemeldet. Als Krönung wurde 1984 die B-Staffel Meister und besiegelte den Aufstieg. Teilgenommen wurde außerdem an Einzel- und Landesmeisterschaften, wo beachtliche Plätze errungen wurden.
In sportlicher Hinsicht stiegen die Bedürfnisse ständig an. Die Jugendgruppen erlebten in den folgenden Jahren ihren Höhepunkt, bedingt durch Punktspiele und diverse andere Meisterschaften. Wen wundert es, daß auch die Frauen nicht immer am Kochtopf stehen wollten - eine neue Ära der Vereinsgeschichte begann. 1985 gründete man die erste Damengruppe.

Auch die aktiven männlichen Werfer verbuchten Erfolge, so konnten die Männer II 1987 allein drei Pokale bei auswärtigen Wettkämpfen erringen. 1994 boßelten die Männergruppen erstmals mit dem Kreisverband Wittmund zusammen. Dies war eine Herausforderung der besonderen Art. Bei der Kreismeisterschaft mit der Hollandkugel wurde der 1. Platz erreicht.

Auch stellte man sich dem Auswerfen des Ostfrieslandpokales. Allein schon die Tatsache, wenige Chancen zu haben, beweist das Selbstbewußtsein der aktiven Boßeler. In der Punktspielsaison 1997/1998 wurden die Männer II Meister. Im Jubiläumsjahr wurde die Männer-I-Gruppe Kreisklassenmeister.
Bleibt zu wünschen, daß der Zusammenhalt und die Erfolge ins nächste Jahrhundert seinen Fortbestand behält, die Vereinsführung sich deren Aufgabe stellt und "Frisch weg" Wiesedermeer e.V. in seiner Tradition als ältester Verein Ostfrieslands seine Geschichte schreibt.

VON MANFRED DIRKS (1999)

 

Die Geschichte des Klootschießens

Das Klootschießen hat sich hier im Küstenbereich von einer Generation zur anderen über Jahrtausende weiterentwickelt und verbreitet. So fand man heraus, daß der römische Geschichtsschreiber Tacitus (55 bis 120 n. Chr.) seinem Kaiser berichtete, daß die Küstenbewohner die römischen Eindringlinge durch Werfen von Kugeln abgewehrt haben.
Im Laufe der Jahrhunderte stellten die Friesen fest, wie wichtig es war, die Wurf- und Treffgenauigkeit im Spiel zu erhöhen, um sich somit besser gegen Seeräuber und eindringende Eroberer wehren zu können. Um den Ernstfall zu proben, brauchte man auch im Spiel Gegner. Zunächst spielte man Familie gegen Familie, Hof gegen Hof, Nachbarschaft gegen Nachbarschaft oder Dorf gegen Dorf.
Mit immer größer werdenden Regionen (Kirchengemeinde gegen Kirchengemeinde oder Wettkämpfe unter den Ämtern) stieg auch die Brisanz unter den Teilnehmern. Da zu Beginn des 18. Jahrhunderts auch das Wetten üblich war, ging es des öfteren um Bier und Schnaps. Laut Überlieferungen mußte damals die Gendarmerie öfters eingreifen und die Streithähne beruhigen.
Im Laufe der Zeit wurde am Wurfgerät kräftig herumgebastelt. Anfangs wurden die Kugeln aus Stein hergestellt oder aus Lehm gebrannt, später kamen aus Holz gedrehte Kugeln zum Einsatz. Um eine höhere Durchschlagskraft zu erreichen, wurde das Gewicht der Kugeln erhöht. So läßt sich erklären, warum unsere heutigen Klootkugeln so schön aussehen. Es handelt sich um kleine Holzkugeln, die durchgebohrt und mit Blei gefüllt sind.
Um größere Weiten zu erzielen, wurden der Anlauf und Absprung perfektioniert. In unseren Gegenden wird heutzutage ein Sprungbrett verwendet. Der Anlauf erfolg über eine Anlaufmatte, um so das Ausrutschen auf oft nassen und gefrorenen Böden zu verhindern. Vor langer Zeit war es Brauch, von einem Bock aus zu werfen, um aus dem Anlauf die maximale Beschleunigung herauszuholen
(Quelle: H. Reents).

Das Klootschießen in unserem Verein

Schon vor unserer Vereinsgründung im Jahre 1899 war das Klootschießen hier im Küstenbereich bekannt.
Der erste Großkampf im Klootschießen fand am 26. Januar 1901 zwischen Ostfriesland und Stadt-/ Butjadingerland statt. Alle vier Jahre wurde dieser Großwettkampf mit mehreren tausend Zuschauern ausgetragen.
Am 25. Mai 1902 wurde der FKV von Gerhard Gerdes und Hinrich Dunkhase ins Leben gerufen. Bereits 1903 wurde ein Wettkampf zwischen dem FKV und den schleswigholsteinischen Boßlern ausgetragen.
Am 14. Januar 1909 fand ein Vier-Verbands-Klootschießer-Fest statt. Hier taucht zum ersten Mal der Name Johann Behrends aus Wiesedermeer auf, der mit 82,60 m am weitesten warf und damit den Ehrenpreis gewann. 1912 stand wieder ein Länderkampf gegen Butjadingen an, wo Johann Behrends mit in der ostfriesischen Mannschaft stand, die auch den Wettkampfgewann.
In den folgenden Jahren fanden auch viele Klootschießerwettkämpfe unter den schon bestehenden Vereinen statt. So z. B. ein Wettkampf gegen Horsten (1922), wo auf der Seite der Wiesedermeerer gute Werfer wie Dannemann, Pocken und Janßen warfen und auch diesen Kampf gewannen. Es wird in alten Zeitungen noch von einem Wettkampf gegen Wiesede berichtet, wo J. Dannemann und J. Behrends nicht mit antreten durften, weil sonst die Qualität der beiden Parteien zu ungerecht gewesen wäre. Aber auch ohne diese beiden besten Werfer waren die Wiesedermeerer nicht zu schlagen. Nach den Wettkämpfen blieb man noch länger in geselliger Runde zusammen.  
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Ferner wird von einem Länderkampf (1922) Ostfriesland gegen Oldenburg im Raum Esens berichtet, daß von den Mamburger Freunden ein Zug angehalten wurde, damit die Friedeburger nach einer ausgiebigen Siegesfeier zurück nach Wittmund fahren konnten, wo sie ihre Fahrräder stehen hatten. Johann Behrends war in den nächsten Jahren weiterhin ein hervorragender Klootschießer, der weit über die regionalen Grenzen hinaus zu siegen vermochte. 1948 absolvierte er seinen letzten Länderkampf gegen Oldenburg.
Nach dem 2. Weltkrieg mußte der KBV Wiesedermeer zuerst wieder neu geordnet und aktiviert werden. Langsam stiegen auch die Mitgliederzahlen wieder an. Auch das Klootschießen gewann wieder mehr an Bedeutung, als mit Gerd Tammen ein aktiver Werfer den Verein betrat. Im Jahre 1974 war Wiesedermeer Austragungsort des Friesischen Mehrkampfes, welcher großen Zuspruch fand. Seit 1970 werden im Kloot-schießen internationale Wettkämpfe zwischen Holstein, Holland, Irland und dem FKV durchgeführt. 1988 wurden die Meisterschaften in Norden ausgetragen. Unser Verein stellte mit Helfried Goetz, Holger und Gerd Tammen drei Teilnehmer für den FKV. Nach 1970, 1984 und 1988 nahm Gerd Tammen 1996 zum vierten Male an den Europameisterschaften teil. Auch stand er einmal in der ostfriesischen Klootschießermannschaft im Wettkampf gegen Oldenburg in Seefeld (1982). Sein Bestwurf betrug 113,10 m. 1987 warf Holger Tammen in der Jugendmannschaft gegen Oldenburg. Auch Helfried Goetz wurde einmal für das Juniorenteam gegen die Oldenburger nominiert.
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In unserem Verein ging es im Klootschießen weiter bergauf. Durch eine gute Jugend- und Vereinsarbeit durch Hermann Goetz und Gerd Tammen wurden viele Erfolge auf Kreis- und Landesebene erreicht.
Unsere Werfer gewannen in den vergangenen Jahren viermal den Wettkampf um die Wanderfahne des Kreisverbandes Friedeburg. 1987 warfen in Upschört Gerd Tammen, Hans-Dieter Asche, Holger Tammen, Helfried Goetz, Harro Gellermann und Helfried Reuß, als Bahnweiser füngierte Hermann Goetz. 1992 in Bohlenberge gehörten Hans-Dieter Asche, Gerold Asche, Gerd Tammen, Helfried Goetz und Helfried Reuß zur Mannschaft. 1993 in Müggenkrug waren Gerd Tammen, Hans-Dieter Asche, Gerold Asche, Helfried Goetz und Jörg Ahlrichs erfolgreich und zuletzt 1995 in Wiesedermeer erkämpften sich Helfried Reuß, Hans-Dieter Asche, Helfried Goetz, Johann Tammen, Harro Gellermann, Gerd Tammen und Hermann Goetz die Wanderfahne. 1986 gewann Wiesedermeer den Wanderpreis für Mannschaften mit Theo Kruse, Uwe Fokken, Helfried Goetz, Holger Tam-men, Reinhold Behrends, Gerd Tam-nien, Hermann Goetz, Dirk Mühlena, Bernhard Gellermann und Jörg Ahlrichs. Nachstehend einige Landesmeister, die aus unserem Verein hervorgingen:


Gerd Tammen - ostfriesischer Klootschießermeister, Männer I 1978
Helfried Goetz - Landesmeister Klootschießen männl. Jugend B 1986
Helfried Goetz - Landesmeister Klootschießen männl. Jugend B 1987
Gerd Tammen - LV-Meister und FKV-Meister Männer II 1997
Gerd Tammen - FKV-Mehrkampf-meister Männer II 1998


Weiterhin wurden viele Medaillen bei den Kreismeisterschaften im Klootschießen und im Mehrkampf gewonnen. Diese alle aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. Sehr aktiv beteiligen sich an diesen Wettkämpfen auch die männlichen und weiblichen Jugendwerfer in fast allen Klassen. Auch hier wurden in den letzten Jahren viele erste Plätze belegt und viele Wanderplaketten errungen.
Seit zwei Jahren wird in den Sommerferien im Rahmen des Ferienprogramms Kindern und Jugendlichen ein Einblick in den friesischen Mehrkampf gegeben, wo auch das Klootschießen nicht zu kurz kommt. Dadurch wurden schon gute Nachwuchswerfer gewonnen.

von Ulrike Budde (1999)









Seite zuletzt geändert am: 14.09.2007, 00:20 von Theo Kruse
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